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Autor Archiv für: Dieter Wellmann

Ich träume von einem Motorradfahrer, der …

Ich träume von einem Motorradfahrer, der wacklige Wahrheiten und verkehrte Annahmen zertrümmert;

… einem Motorradfahrer, der jegliche Zwänge und Schwachpunkte, Auswege und Alternativen aufdeckt;

… einem Motorradfahrer, der unaufhörlich seine Positionen und Standpunkte wechselt

… einem Motorradfahrer, der nicht genau weiss, wo er morgen fahren oder was er morgen denken wird;

… einem Motorradfahrer, der sich in seiner Gegenwart, im Augenblick, dem Hier-und-Jetzt verankert;

… einem Motorradfahrer, der alle Sicherheitshektik neutralisiert und zu Geschmacklosigkeit umformuliert;

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4 Qualitäten jenseits des Flows

hunters by snowmobile in snowy field

Im Folgenden beschreibe ich meine Erfahrungen einer Motorradfahrt nahe der subjektiven Perfektion. Ich vermeide dabei die Erwähnung beiläufiger Sinneswahrnehmungen, da mich hier einzig der fundamentale Wandel des Erlebens meiner Existenz als Motorradfahrer und meine Verschiebung zur Welt „da draussen“ – weit über den Flow hinaus – interessiert. Ich kann mich dabei selbstredlich nur auf meine Selbstbeobachtung während weniger Momente zurückbeziehen. 4 Qualitäten wurden mir dabei offenbart. Diese (verkürzten) Beschreibungen beruhen klarerweise auf vorgefassten Meinungen und Einstellungen jedes einzelnen Motorradfahrers.

1

Die Verlangsamung der Zeit

Die erste Qualität ist die Verlangsamung der Zeit. Während meiner Fahrt konzentriert sich die Gegenwart in einem einzigen Punkt. Das Gestern und das Morgen verlieren ihr Gewicht. Pathologische Sorge um das Vergangene und das Zukünftige verschwindet hinter der Erkenntnis, dass der Scheitelpunkt des Lebens das „Hier und Jetzt“ darstellt.

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Verdammt, was brauch ich noch?

Garage.

Der Kapitale in der letzten Kurve meiner letzten Ausfahrt am letzten Ritzel der letztendlich gestörten Beziehung zwischen Gaspedal und Sicherheit hat zu guter Letzt dem Leben meiner geliebten Maschine den letzten Hauch entsteigen lassen. Gottseidank sind Motorräder ersetzbar wie Nieren, Herz und Lungenflügel, vor allem wenn man als Hosenschisser – wie ich – die Vollkasko-Option gezogen hat.

Neues Motorrad heisst neues Leben. Selbst wenn Atlantis untergeht und Rom brennt, finde ich irgendwie Zeit bei Louis oder dem Händler meines Misstrauens zu shoppen.
Die Überlebenden meines Überschlags habe ich vorsichtshalber noch vor der Beisetzung sorgfältig abmontiert – kann ja sein, dass ich diese Dinger auf meine Neue schrauben kann. Trotzdem: Neues Motorrad = neue Grundausstattung.

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Du brauchst immer die Anderen um wirklich cool zu sein

Homer: … also habe ich gemeint, dass es viel wichtiger ist, mit der Familie zusammen zu sein als cool zu sein.

Bart: Dad, was Du gerade gesagt hast, war unglaublich uncool.

Homer: Du weisst doch, wie es in diesem einen Lied heisst: „Es ist hip, uncool zu sein.

Lisa: Ein soooo uncooler Song.

Homer: So uncool, dass er schon wieder cool ist?

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Geschwindigkeitsekstase

historical motorcycle in the Masaryk circuit BrnoDer über sein Motorrad gebeugte Mensch kann sich nur auf die gegen­wärtige Sekunde seines Fluges konzentrieren; er klammert sich an ein sowohl von der Vergangenheit als auch von der Zukunft abgeschnittenes Fragment der Zeit; er ist der Kon­tinuität der Zeit entrissen; er steht außerhalb der Zeit; anders gesagt, er befindet sich in einem Augenblick der Ekstase; in diesem Zustand weiß er nichts von seinem Alter, nichts von seiner Frau, nichts von seinen Kindern, nichts von seinen Sorgen, und er hat keine Angst, wenn er losfährt, denn die Quelle der Angst liegt in der Zukunft, und wer von der Zukunft befreit ist, hat nichts zu befürchten.

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Sicherheit flog übers Kuckucksnest

stacheldraht-wir-schaffen-das

Eine dunkle Zelle in irgendeiner Irrenanstalt. Leises ängstliches Wimmern im Hintergrund, manchmal von entferntem hysterischen Brüllen übertönt.

Mit dem Gesicht zur Ecke gewandt Ecke steht Mr.Safety, ein mürrischer Businessmann mit orangefarbenem Toupet, er trägt die Uniform eines längst vergessenen Männerbunds, balanciert wir seine verkrüppelte Figur durch einem Gehstock in seiner rechten Hand. Er präsentiert ihn seit einem Motorradunfall als Trophäe des Mitleids.

Mr. Safety (ängstlich murmelnd): „Sicherheit, Sicherheit, Schutzzaun, Mauer, hohe Mauer, sehr hohe Mauer. Grenzen. Böse Autofahrer.

Mr.Security: „Wenn es allen gut geht, dann gibt es keinen Krieg auf der Strasse…

Mr.Security, weisses Hemd unter schwarzem Gehrock, er ist mit seinen 198 Jahren der Älteste im Raum, steht am Fenster, die linke Hand fest mit den Gitterstäben verwoben. Durch ein Monokel fällt sein verträumter Blick auf den Horizont jenseits der Irrenanstalt. Weiterlesen Sicherheit flog übers Kuckucksnest