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Datums-Archiv für: Januar 2017

Ich wär so gern ein Hipster

Barber shaves beard to man

Ich wär so gern ein Hipster,
entspannt im Flanellhemd,
kariert würd ich Motorrad fahren,
so dass die Welt erkennt,
dass ich nicht Teil der Spiesser bin,
die kalkul-konsumieren,
“Coolness” wäre mein Middlename,
Nonchalance würde mich zieren.

ABER DER BART!
er kratzt mich so,
er kratzt mich so,
er juckt und beisst und piekt,
ich stehs nicht durch das Hipstertum,
sensible Haut die siegt. Weiterlesen… Ich wär so gern ein Hipster

Geschwindigkeitsekstase

historical motorcycle in the Masaryk circuit Brno
Der über sein Motorrad gebeugte Mensch kann sich nur auf die gegen­wärtige Sekunde seines Fluges konzentrieren; er klammert sich an ein sowohl von der Vergangenheit als auch von der Zukunft abgeschnittenes Fragment der Zeit; er ist der Kon­tinuität der Zeit entrissen; er steht außerhalb der Zeit; anders gesagt, er befindet sich in einem Augenblick der Ekstase; in diesem Zustand weiß er nichts von seinem Alter, nichts von seiner Frau, nichts von seinen Kindern, nichts von seinen Sorgen, und er hat keine Angst, wenn er losfährt, denn die Quelle der Angst liegt in der Zukunft, und wer von der Zukunft befreit ist, hat nichts zu befürchten.

Die Geschwindigkeit ist die Form der Ekstase, mit der die technische Revolution den Menschen beschenkt hat. Im Gegensatz zum Motorradfahrer ist der Läufer stets in sei­nem Körper anwesend, unaufhörlich gezwungen, an seine Blasen, seine Atemlosigkeit zu denken; beim Laufen spürt er sein Gewicht, sein Alter, mehr denn je ist er sich seiner selbst und seiner Lebenszeit bewusst. Alles wird anders, wenn der Mensch die Macht der Geschwindigkeit auf eine Maschine überträgt: von dem Moment an ist sein Körper aus dem Spiel, und er gibt sich einer Geschwindigkeit hin, die unkörperlich, immateriell ist, reine Geschwindigkeit, Geschwindigkeit an sich, Geschwindigkeitsekstase.

(Aus „Die Langsamkeit“ von Milan Kudera, erschienen im S. Fischer Verlag)