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Sicherheit flog übers Kuckucksnest

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Eine dunkle Zelle in irgendeiner Irrenanstalt. Leises ängstliches Wimmern im Hintergrund, manchmal von entferntem hysterischen Brüllen übertönt.

Mit dem Gesicht zur Ecke gewandt Ecke steht Mr.Safety, ein mürrischer Businessmann mit orangefarbenem Toupet, er trägt die Uniform eines längst vergessenen Männerbunds, balanciert wir seine verkrüppelte Figur durch einem Gehstock in seiner rechten Hand. Er präsentiert ihn seit einem Motorradunfall als Trophäe des Mitleids.

Mr. Safety (ängstlich murmelnd): „Sicherheit, Sicherheit, Schutzzaun, Mauer, hohe Mauer, sehr hohe Mauer. Grenzen. Böse Autofahrer.

Mr.Security: „Wenn es allen gut geht, dann gibt es keinen Krieg auf der Strasse…

Mr.Security, weisses Hemd unter schwarzem Gehrock, er ist mit seinen 198 Jahren der Älteste im Raum, steht am Fenster, die linke Hand fest mit den Gitterstäben verwoben. Durch ein Monokel fällt sein verträumter Blick auf den Horizont jenseits der Irrenanstalt.

Mr.Security weiter: „… keiner muss den anderen besiegen – weder mit Kraft noch mit falschem Spiel. Wir hätten uns alle lieb.

Mr.Safety (laut und scharf): „Unsinn!

Mr.Security: „Alle Menschen hätten das Recht auf ein Motorrad. Eine M72 für alle.

Mr.Safety (lauter): „Unnnnsinnn!“ weiter leise wimmernd: „Abstrafen, alle gehören abgestraft. Sperrungen, ja, Sperrungen. Ich werde sie alle abstraaafen“.

Mr.Security, als hätte er die Worte von Safety nicht gehört: „Alle wären glücklich. Jeder würde morgens mit seiner M72 zufrieden in die Arbeit fahren. Benzin wäre billig. Keiner überholt die anderen. Friede.“

Mr.Safety hämmert mit seiner Stirn an die Steinwand der Zelle: „Aber die Gefahren. All das Fremde. Es ist da draussen.“ Er zupft an seiner Uniform, verdreht die Augen nach oben, bis nur mehr Weiss zu sehen ist und krächzt ein langes: „Sperrrrung!“. Blut rinnt über seine Stirn, Geifer aus seinen rechten Mundwinkel.

Erstmals meldet sich Mr.Certainty zu Wort. Er liegt mit ockerfarbenem Bademantel – wahrscheinlich Second Hand – auf dem Zellenbett. Eine Hand unter dem Kopf, die andere bewegt er langsam unter seiner schwarzen Badeshort. Auf dem ersten Blick erinnert er an Mr.Security, abgesehen von dem langem Haar und seiner exorbitanten Ungepflegtheit.

Mr.Certainty: „Alles wird gut!

Mr.Safety (er hat sich und seinen Gehstock langsam wieder im Griff): „Ach halten sie doch die Klappe. Von einem Penner lass ich mir nichts sagen. Nichts wird gut. Krieg. Unfälle. Scheiss Autofahrer. Ich hasse Sie. Ich hasse sie alle. Raus mit ihnen.

Mr.Certainty: „Wir schaffen das!“

Mr.Safety: „Ach, so ein Unsinn. Seien sie still.“ Er hebt seinen Gehstock und will damit gerade auf Mr.Certainty einschlagen, als Mr.Security zu schreien beginnt:

„Da! Da! Ich kann sie sehen. Sie kommen zu Tausenden auf ihren Motorrädern. Ich kann das Grau Ihrer Westen sehen. Ich höre das konforme Tuckern ihrer Zylinder. Sie sind da!“

Mr.Safety wendet sich von Certainty ab und drischt seinen erhobenen Gehstock mit einem markerschütterndem: „Neeiiin!!!“ auf Securitys Hinterkopf. Security sinkt röchelnd auf die Knie. Ein letztes „Aber ich wollte doch nur, das es allen gut geht“ verlässt seine Lippen. Mit blutgetränktem Zeigefinger malt Security den Schriftzug „M72“ auf den Zellenboden bevor er tod zusammensackt.

Mr.Safety gerät in Rage. Er brüllt kaum verständlich: „Sieg. Heil. Endsieg.“ Verdreht abermals die Augen und hämmert diesmal seine Stirn so fest gegen die Zellenwand, dass auch sein Schädel platzt. Stolz und Ehre begleiten Safetys letzten Atemzug. Mr.Certainty ist sich das erste Mal unsicher. Ihm ist, als hätte er noch die Worte „Vaterland“ und „Unsinn“ vernommen.

Certainty nimmt nun seine Hand aus der Badeshort, riecht kurz an ihr und steckt sie – begleitet von hochgezogenen Mundwinkeln – zu seiner anderen unter seinen Kopf. Sein Kopf ist der einzige, der im Raum nur leichte Blutspritzer abbekam. Er nimmt einen langen Atemzug, als würde er fünf Gitanes Blondes gänzlich inhalieren: „Ich hab doch gesagt, dass alles gut wird.“

Das Wimmern und Brüllen aus den Nachbarzellen verstummt. Mr.Certainty fällt in einen langverdienten Tiefschlaf.

Hochriskantes Biken

very old motorcycle traveler fisherman on the shore of a small river at sunset


Fahr mit Road King an das Ende
mit dem Ausstieg im Gepäck
verbrenn die Kutte samt dem öden Patch
komm raus aus dem Versteck
geh zu einem fremden Menschen
frage wie es um ihn steht
läuft sein Leben nicht so rosig
klage ihm wie’s Dir ergeht
mit Deinen Schwächen und dem Zweifel
an Stärke und der Männlichkeit
gründet Schwesternschaft in Umkehr
ihr seid zumindest schon zu zweit.

Das ist hochriskantes Biken
Abgesang auf Dominanz
Empathie auf Überholspur
pure Liebe, heller Glanz Weiterlesen… Hochriskantes Biken

Uli Brée – der hyperreale Dionysos

Version 2
Uli Brée – ich verneige mich vor diesem virtuosen Spieler des Motorraduniversums, hieve ihn auf den Olymp der Zweizylindergottheiten und küre ihn zum Botschafter der motorisierten Anderswelt.

Uli Brèe gelingt es – als einem unter wenigen – den Hauch des Karnevals unserer Motorradzunft aufrichtig zu portraitieren, ohne zu übersehen, dass sich hinter dieser clownesken Maskerade eine tiefe Ernsthaftigkeit und Leidenschaft verbirgt. Er, das limbische System der Neukirchner Tridays, schafft den Balanceakt zwischen der gravitätischen Humorlosigkeit schwarzgekleideter MC-Geschwader und der närrischen Faschingsgilde einer puren Vernunft. Nichts kann diese Spaltung des Zweiradgemüts pointierter zum Ausdruck bringen, als ein Dialog aus der Feder des Leibhaftigen. Aber lest doch selbst, wie Toni alias Sonderermittler Steiger seiner schiesswütigen Herta Siegwald grundehrlich die Spaltung seiner und unserer Seelenwelt erklärt:

 

Toni: „Sonderermittler Steiger spürte den eisigen Schauer des Bösen. Der Schwarze Engel hatte wieder zugeschlagen und sein Schatten fiel auf das Dorf.“

Hertha: „Mmh, klingt ein bisschen aufgesetzt.“

Toni: „Findest?“ Weiterlesen… Uli Brée – der hyperreale Dionysos

Das Märchen vom risikofreien Motorradfahren


Es war einmal ein Königreich, in dem niemand entscheiden konnte, wie er wollte. Es waren die Götter die entschieden. Ob ein Motorradfahrer verunglückte oder nicht, das war göttliche Fügung. Die Menschen hatten so viel Vertrauen in das Schicksal, dass sie ihre Motorräder mit Talismanen bestückten, Maskottchen sammelten und Amulette um den Hals trugen. Messen und Segnungen waren feste Rituale im Leben jedes Motorradenthusiasten. Kam man nach gefahrener Runde wieder unversehrt nach Hause, meinten es die Götter gut mit einem.

Dem König dieses Reiches gefiel es nicht, dass er gegenüber den Göttern kaum Macht besaß. So schickte er Gelehrte und Wissenschaftler in das Land, um den Menschen die Gottesfurcht auszutreiben. Weiterlesen… Das Märchen vom risikofreien Motorradfahren

Sex ohne Vorspiel taugt nichts! Oder?

Sensual woman kissing her handsome husband

Sex ohne Warmup macht im Kino – ob im Kopf oder Cineplex – einiges her. In der tatsächlichen Ausübung taugt der Kick ohne Vorspiel eher selten. Besonders Männern wird der „Harte Sex“ über einschlägige XXX-Seiten als der Olymp vorgegaukelt, den es zu erklimmen gilt. Ich persönlich bin da eher der Typ „Bolero“ und brauche kein Rammstein für den Soundtrack zum Liebesspiel.

Es ist so weit: Die ersten Knospen auf den Bäumen verkünden von der Zeit, in der wir wieder sachte eine innige Beziehung zu unserem Motorrad aufbauen sollten. Es braucht jetzt kein „Hart-an-der-Grenze“ oder „Schräg-am-Limit“, nein: Zärtlichkeit, Achtsamkeit, Einfühlsamkeit und Empathie sind die Navigationspunkte in der Vorbereitung auf rauschhaftes Kurvenspiel. Mach Dich daher auf den Weg in die Garage, zur lustvollen Ouvertüre. Verwandle Dein Motorrad zum Lustpunkt der Welt. Weiterlesen… Sex ohne Vorspiel taugt nichts! Oder?