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Ich wär so gern ein Hipster

Barber shaves beard to man

Ich wär so gern ein Hipster,
entspannt im Flanellhemd,
kariert würd ich Motorrad fahren,
so dass die Welt erkennt,
dass ich nicht Teil der Spiesser bin,
die kalkul-konsumieren,
“Coolness” wäre mein Middlename,
Nonchalance würde mich zieren.

ABER DER BART!
er kratzt mich so,
er kratzt mich so,
er juckt und beisst und piekt,
ich stehs nicht durch das Hipstertum,
sensible Haut die siegt. Weiterlesen… Ich wär so gern ein Hipster

Geschwindigkeitsekstase

historical motorcycle in the Masaryk circuit Brno
Der über sein Motorrad gebeugte Mensch kann sich nur auf die gegen­wärtige Sekunde seines Fluges konzentrieren; er klammert sich an ein sowohl von der Vergangenheit als auch von der Zukunft abgeschnittenes Fragment der Zeit; er ist der Kon­tinuität der Zeit entrissen; er steht außerhalb der Zeit; anders gesagt, er befindet sich in einem Augenblick der Ekstase; in diesem Zustand weiß er nichts von seinem Alter, nichts von seiner Frau, nichts von seinen Kindern, nichts von seinen Sorgen, und er hat keine Angst, wenn er losfährt, denn die Quelle der Angst liegt in der Zukunft, und wer von der Zukunft befreit ist, hat nichts zu befürchten.

Die Geschwindigkeit ist die Form der Ekstase, mit der die technische Revolution den Menschen beschenkt hat. Im Gegensatz zum Motorradfahrer ist der Läufer stets in sei­nem Körper anwesend, unaufhörlich gezwungen, an seine Blasen, seine Atemlosigkeit zu denken; beim Laufen spürt er sein Gewicht, sein Alter, mehr denn je ist er sich seiner selbst und seiner Lebenszeit bewusst. Alles wird anders, wenn der Mensch die Macht der Geschwindigkeit auf eine Maschine überträgt: von dem Moment an ist sein Körper aus dem Spiel, und er gibt sich einer Geschwindigkeit hin, die unkörperlich, immateriell ist, reine Geschwindigkeit, Geschwindigkeit an sich, Geschwindigkeitsekstase.

(Aus „Die Langsamkeit“ von Milan Kudera, erschienen im S. Fischer Verlag)

Sicherheit flog übers Kuckucksnest

stacheldraht-wir-schaffen-das

Eine dunkle Zelle in irgendeiner Irrenanstalt. Leises ängstliches Wimmern im Hintergrund, manchmal von entferntem hysterischen Brüllen übertönt.

Mit dem Gesicht zur Ecke gewandt Ecke steht Mr.Safety, ein mürrischer Businessmann mit orangefarbenem Toupet, er trägt die Uniform eines längst vergessenen Männerbunds, balanciert wir seine verkrüppelte Figur durch einem Gehstock in seiner rechten Hand. Er präsentiert ihn seit einem Motorradunfall als Trophäe des Mitleids.

Mr. Safety (ängstlich murmelnd): „Sicherheit, Sicherheit, Schutzzaun, Mauer, hohe Mauer, sehr hohe Mauer. Grenzen. Böse Autofahrer.

Mr.Security: „Wenn es allen gut geht, dann gibt es keinen Krieg auf der Strasse…

Mr.Security, weisses Hemd unter schwarzem Gehrock, er ist mit seinen 198 Jahren der Älteste im Raum, steht am Fenster, die linke Hand fest mit den Gitterstäben verwoben. Durch ein Monokel fällt sein verträumter Blick auf den Horizont jenseits der Irrenanstalt. Weiterlesen… Sicherheit flog übers Kuckucksnest

Hochriskantes Biken

very old motorcycle traveler fisherman on the shore of a small river at sunset


Fahr mit Road King an das Ende
mit dem Ausstieg im Gepäck
verbrenn die Kutte samt dem öden Patch
komm raus aus dem Versteck
geh zu einem fremden Menschen
frage wie es um ihn steht
läuft sein Leben nicht so rosig
klage ihm wie’s Dir ergeht
mit Deinen Schwächen und dem Zweifel
an Stärke und der Männlichkeit
gründet Schwesternschaft in Umkehr
ihr seid zumindest schon zu zweit.

Das ist hochriskantes Biken
Abgesang auf Dominanz
Empathie auf Überholspur
pure Liebe, heller Glanz Weiterlesen… Hochriskantes Biken

Uli Brée – der hyperreale Dionysos

Version 2
Uli Brée – ich verneige mich vor diesem virtuosen Spieler des Motorraduniversums, hieve ihn auf den Olymp der Zweizylindergottheiten und küre ihn zum Botschafter der motorisierten Anderswelt.

Uli Brèe gelingt es – als einem unter wenigen – den Hauch des Karnevals unserer Motorradzunft aufrichtig zu portraitieren, ohne zu übersehen, dass sich hinter dieser clownesken Maskerade eine tiefe Ernsthaftigkeit und Leidenschaft verbirgt. Er, das limbische System der Neukirchner Tridays, schafft den Balanceakt zwischen der gravitätischen Humorlosigkeit schwarzgekleideter MC-Geschwader und der närrischen Faschingsgilde einer puren Vernunft. Nichts kann diese Spaltung des Zweiradgemüts pointierter zum Ausdruck bringen, als ein Dialog aus der Feder des Leibhaftigen. Aber lest doch selbst, wie Toni alias Sonderermittler Steiger seiner schiesswütigen Herta Siegwald grundehrlich die Spaltung seiner und unserer Seelenwelt erklärt:

 

Toni: „Sonderermittler Steiger spürte den eisigen Schauer des Bösen. Der Schwarze Engel hatte wieder zugeschlagen und sein Schatten fiel auf das Dorf.“

Hertha: „Mmh, klingt ein bisschen aufgesetzt.“

Toni: „Findest?“ Weiterlesen… Uli Brée – der hyperreale Dionysos